
Edith Stein wurde am 12. Oktober 1891 als elftes Kind einer jüdischen Holzhändlerfamilie in Breslau geboren. 1911 absolvierte sie das Abitur an der Victoriaschule in Breslau mit Auszeichnung und begann anschließend ein Studium der Germanistik, Geschichte, Psychologie und Philosophie in Breslau. Von 1913 bis 1915 setzte sie ihr Studium an der Universität Göttingen fort, wo sie Philosophie bei Edmund Husserl und Adolf Reinach studierte. Im Jahr 1915 legte sie das Staatsexamen in Göttingen mit Auszeichnung ab und arbeitete danach als Lazaretthelferin beim Deutschen Roten Kreuz.
Von 1916 bis 1918 war Edith Stein Wissenschaftliche Assistentin bei Husserl in Freiburg, während der sie eine Dissertation zum Thema “Zum Problem der Einfühlung” verfasste. Nach ihrer Promotion arbeitete sie als Philosophin und hielt Privatvorlesungen über Philosophie. Ihr gescheiterter Habilitationsversuch und ihre Überlegungen und Studien zur Phänomenologie bereiteten sie auf ihren spirituellen Weg vor.
Im Jahr 1921 fand Edith Stein durch die Lektüre der Biographie der heiligen Teresa von Avila ihren Glaubensweg und trat in die katholische Kirche ein. Als Lehrerin unterrichtete sie am Mädchenlyzeum und an einer Lehrerinnenausbildungsanstalt der Dominikanerinnen. Später arbeitete sie als Dozentin an einem Institut für wissenschaftliche Pädagogik.
Am 14. Oktober 1933 trat Edith Stein in den Karmel von Maria vom Frieden in Köln ein und nahm den Namen Sr. Teresia Benedicta vom Kreuz an. Sie verbrachte ihre Zeit im Kloster mit geistlichem Schaffen, wie Gebeten, Gedichten und Übersetzungen. Ihr Hauptwerk “Endliches und ewiges Sein” entstand zwischen 1935 und 1937.
Im Jahr 1938 legte sie ihre ewigen Gelübde ab und musste im Dezember desselben Jahres wegen der Verfolgung der Juden nach Echt (Holland) emigrieren. Dort entstand ihr letztes Werk “Kreuzeswissenschaft”. Im August 1942 wurde Edith Stein verhaftet und nach Auschwitz-Birkenau deportiert, wo sie am 9. August 1942 ermordet wurde.
Edith Stein war eine bedeutende Figur der katholischen Kirche und als Karmelitin von großer Bedeutung für den spirituellen und philosophischen Bereich. Ihr Leben und Werk sind von ihrem tiefen Glauben und ihrem Streben nach spiritueller Vollendung geprägt. Bis heute inspirieren ihre Gedanken und Überlegungen Menschen auf der Suche nach Gott und spiritueller Erfüllung.
Wege des Friedens auf den Spuren Edith Steins
Im heutigen Kontext, der von Kriegen, Konflikten und Spannungen sowohl auf internationaler Ebene als auch innerhalb der Gesellschaften geprägt ist, schenken das Denken und das Lebenszeugnis Edith Steins, Märtyrin und Patronin Europas, ein tieferes Verständnis für den Wert der menschlichen Person als Fundament jeder authentischen Beziehung zu sich selbst und zum Anderen. Sie bieten zahlreiche Impulse, um im gegenwärtigen kulturellen, religiösen und politischen Panorama einen konstruktiven Dialog zu fördern und eine Kultur des Friedens aufzubauen.
1. Station: Breslau – der Anfang
Der erste Vortrag führt an den Geburtsort Edith Steins. Die schlesische Stadt Breslau – heute Wrocław – wurde vom britischen Historiker Norman Davies als „Mikrokosmos“ bezeichnet, da sich in ihr die wichtigsten Strömungen der mitteleuropäischen Geschichte begegneten – sei es im fruchtbaren Austausch oder in feindlicher Rivalität. Ausgehend von der Welt, in der Edith Stein aufwuchs und geprägt wurde, wird aufgezeigt, wie sie als Philosophin und gesellschaftlich engagierte Frau mit den Spannungen ihrer Zeit umging, um auf dem Fundament der Wahrheit Frieden zu stiften.
2. Station: Auschwitz – die Vollendung
Der zweite Vortrag führt nach Auschwitz, den Ort des Martyriums Edith Steins. Das Vernichtungslager erinnert an die unzähligen jüdischen und anderen Opfer des terroristischen und kriegerischen Wahns im Herzen Europas. Im Blick auf die Vollendung ihres Lebens- und Glaubensweges widmen wir uns der Spiritualität und dem christlichen Engagement Edith Steins. Dabei fragen wir, wie sie als Christin der menschenfeindlichen Ideologie, der Verblendung der Vielen und dem Krieg begegnete – und wie ihr Zeugnis Zeichen des Friedens und der Hoffnung für kommende Generationen setzen kann.
